Rovinj: erster medizinisch-therapeutischer Strand in Kroatien eröffnet

Vilijam Zufic am 21.06.17 - Zuletzt aktualisiert am 04.02.2019 um 03:25 Uhr

Klinik Rovinj
Die Prim. dr. Martin Horvat Klinik in Rovinj. Foto: Screenshot YouTube

In Istrien gibt es von Jahr zu Jahr mehr barrierefrei eingerichtete Strände. Mit einer feierlichen Zeremonie wurde gestern (21. Juni, 2017) im istrischen Rovinj der erste medizinisch-therapeutische Strand in Kroatien eröffnet, berichtet die Lokalzeitung Glas Istre. Der Strand befindet sich auf dem Grundstück der Klinik für Orthopädie und Rehabilitation Prim dr. Martin Horvat.

Der neu eröffnete Strand der traditionsreichen und renommierten Klinik ermöglicht es schwerbehinderten Personen in Rovinj im Meer zu baden. Das Personal der Klinik ist dabei für einen symbolischen Preis gerne behilflich. Die Klinik bietet auch Unterkunft. Alle Details und Kontaktdaten gibt es auch auf Deutsch auf der Homepage der Klinik. Der Klinikkomplex mit dem Strand befindet sich nur 3 km nordwestlich des Stadtzentrums von Rovinj, wie auf der Karte am Ende des Beitrags zu ersehen.

Liegend ins Meer, Foto von der Eröffnung des Strandes. Foto: Glas Istre

 

Zur Geschichte der Klinik

Auf Veranlassung des “Vereins zur Errichtung und Förderung von Seehospizen und Asylen für kranke, insbesonders skrofulöse und rachitische Kinder” in Wien wurde im Jahr 1888 das “Erzherzogin Maria Theresia Seehospiz zu San Pelagio bei Rovigno” eröffnet und 1892 für die Öffentlichkeit freigegeben. Dem Gründungsverein gehörten Mitglieder des Kaiserhauses, des Hochadels und vermögende Unternehmer an. Die Einweihung erfolgte am 21. und 22. Mai 1888 unter Anwesenheit der Erzherzogin.

Die Wahl des Standortes erklärt sich aus dem Klima und der günstigen Verkehrslage auf der Halbinsel Muccia nördlich des historischen Zentrums von Rovinj (damals Rovigno). Nach dem Prinzip der langfristigen, teilweise sogar mehrjährigen Behandlung wurden Kinder aller sozialen Schichten und Altersstufen, die unter Anämie, Rachitis, Tuberkulose oder Skrofulose (“Halsdrüsengeschwulst”) litten, von einem Ärzteteam mit Hilfe von kontrollierter Diät, Sonnenbaden, Schwimmen und Spaziergängen behandelt.

Die Kinder stammten vor allem aus der näheren Umgebung des Hospizes und aus Wien. Bald wurden jedoch die Kapazitäten zu klein. Daher entschloss sich die Stadt Wien im Jahr 1906 im Zuge eines generellen Ausbaus der städtischen Kinderheilanstalten das Hospiz vom Verein zu übernehmen und großzügig auszubauen. Die Kosten des Ausbaus beliefen sich auf 1,7 Millionen Kronen. Am 8. Mai 1909 konnte das deutlich vergrößerte Seehospiz eröffnet werden. Das gesamte Areal umfasste nun 33 Hektar und nahm die gesamte Halbinsel Muccia ein.

Das modernisierte und erweiterte Hospiz verfügte über Meer-, Voll- und Wannenbäder, einen Operationssaal, ein Röntgenzimmer, Spielsäle, Tagräume, eine Zentralheizung, Aufzüge, Wasserpumpen zur Stromerzeugung, einen Isolierpavillon, ein Desinfektionsgebäude und ein Stallgebäude. Das Krankenpersonal verfünfachte sich. Eine im angrenzenden Park errichtete Aussichtswarte erhielt den Namen Dr. Karl-Lueger-Warte. Ebenso wurde Bürgermeister Lueger in einem von Hans Zatzka geschaffenen Altarbild apologetisch verherrlicht.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste das Hospiz geräumt werden. Nach Ende des Weltkriegs nahm es im Mai 1919 nun unter italienischer Leitung seinen Betrieb wieder auf. Nach langwierigen Verhandlungen kam es im Jahr 1927 zwischen der italienischen und österreichischen Regierung zu einer Übereinkunft. Das Hospiz blieb in Verwaltung der Gemeinde Wien, die das Recht behielt 230 der 380 verfügbaren Betreuungsplätze mit Wiener Kindern zu belegen. Die Führung des Hospizes übernahm die istrische Provinzialverwaltung. In der Folge wurden bis 1943 Wiener Kinder im Seehospiz behandelt. Im Jahr 1947 ging das Hospiz in das Eigentum Jugoslawiens über.

Quelle: Wien Geschichte Wiki